Artikel für das Magazin Falstaff - Sophia Schillik
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Artikel für das Magazin Falstaff

Yoshi by Nagaya

Kann man anhand eines einzigen Gerichts die Kunstfertigkeit und den kreativen Geist eines Küchenmeisters erfassen? Wohl kaum. Für das intellektuelle wie gustatorische Verständnis eines Stils ist das Durchlaufen einer vollständigen Menüabfolge unabdingbar. Auch die Kaiseki-Küche des noch recht neuen Restaurants Yoshi by Nagaya brilliert erst durch den Kontrast der einzelnen Bestandteile und die bewusst gesetzte Reihenfolge der Gänge. Erst recht wenn sie so puristisch und leicht gehalten wie in Yoshizumi Nagayas zweitem Laden in Düsseldorfs Japanviertel „Little Tokyo“ sind. Gerade das ausgeklügelte Zusammenspiel von Aromen, Ritus und Sequenz, gepaart mit zeitgemäßem Tempo und kunstvoller Inszenierung, macht den Reiz dieses zeremoniell gehaltenen, dennoch modernen japanischen Mahls letztlich aus.
Wie immer ist der beste Platz auch hier an der Theke. Auf dem Weg dorthin umhüllt gepflegte Dunkelheit den Gast. Kurz ist man irritiert ob der ungewohnten Stille, doch schon nach wenigen Minuten bereits in die sanfte Stimmung des schlauchartigen Restaurants eingetaucht. So angenehm unaufdringlich wie die Einrichtung mit ihrem geradlinigen Mobiliar und den dunklen Nuancen ist auch der Gestus des Service und ebenso schnörkellos zeigt sich auch das, was auf den Tellern liegt. Zwei Vorspeisenvariationen werden serviert, bei der ersten sticht besonders das Tomatenkompott mit Tosaessig-Gelee hervor sowie gekochte Garnele mit Spaghettikürbis und Shirodashi-Ponzu. Die zweite Vorspeise besteht aus knapp einem Dutzend kleiner Köstlichkeiten, sorgfältig arrangiert in einer kleinen Box. Jedes Stück darin birgt eine neue Überraschung und lässt die Geschmacksknospen Rätsel raten. Grandios das frittierte Lotuswurzel-Sandwich mit Garnelenpaste, der Hummer mit Yuzu-Creme, aber auch der gegrillte Aal mit Schwarzwurzel und Myonga entpuppt sich als absolute Delikatesse.

Der Artikel erschien im Falstaff Magazin 06/2017: www.falstaff.de/ld/r/yoshi-by-nagaya-duesseldorf/

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Food, Genuss, Text